Rhythmische Gymnastik (OLY)
Willkommen im Portal für alle Fachinformationen und Daten zum Leistungs- und Hochleistungssport Rhythmische Gymnastik in Niederösterreich!
Was ist Rhythmische Gymnastik?
Rhythmische Gymnastik (RG) (ohne "-Sport-" in der Mitte) - englisch Rhythmic Gymnastics - ist laut Ex-IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch die „charmanteste und fraulichste Sportart der Welt“. Charakteristisch ist die Verbindung von Bewegung und Musik, bei gleichzeitiger Handhabung des Gerätes. Die Musikbegleitung ist auf die Übungen zugeschnitten oder extra dafür komponiert. Im Einzelbewerb werden vier Handgeräte verwendet (Reifen, Ball, Keulen, Band). Im Gruppenbewerb steht teilweise zusätzlich das Seil zur Verfügung.
Rhythmische Gymnastik ist seit 1984 olympisch und kennt dort zwei unterschiedliche Wettkampf-Disziplinen, den Einzelbewerb und den Gruppenbewerb. Die Bewerbe finden sich bei olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, wie auch national im selben Format, es werden in isgesamt 7 Bewerben Titel und Medaillen vergeben. Die höchste Wettkampfklasse heißt in Österreich Elite (international: senior). Mit einem Sieg in einer dieser Klassen kann eine Gymnastin in Österreich Staatsmeisterin werden, auf Landesebene Landesmeisterin. Bis zum Erreichen der Eliteklasse werden Kinder- und Jugendklassen ausgetragen, Letztere auch auf nationaler Ebene.
Was braucht's?
Voraussetzungen sind Körperbeherrschung und Konzentration, ohne Grazie und Harmonie der Bewegung zu vernachlässigen. In kaum einer anderen Sportart haben die Aktiven gleiche Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und zum Ausdruck zu bringen. Rhythmische Gymnastik ist Koordination von sportlicher Höchstleistung, ästhetischer Bewegung, Zeit- und Raumgefühl und gestalterischem Können.
Wer Rhythmische Gymnastik als Leistungssport betreiben möchte, sollte im Vorschulalter damit beginnen. Anfangs genügt 2x bis 3x wöchentliches Training von 1½ bis 2 Stunden, danach steigert sich das Trainingsvolumen rasch.
Wie in jedem anderen Sport haben auch in der Rhythmischen Gymnastik nur wenige Hochbegabte das Potenzial für internationale Spitzenleistungen. Doch diese einzigartige Sportart fasziniert viel mehr Mädchen und Frauen. Für sie gibt es in RG-Vereinen ein attraktives Hobby-Betätigungsfeld. Teilnehmerinnen fast aller Altersstufen veranschaulichen dies jedes Jahr bei den größten B-Stufen- und Gruppenbewerben bei ansteigender Tendenz sehr deutlich.
Die Trainingsinfrastruktur benötigt Hallen mit mindestens 10m Raumhöhe (internationaler Standard: 12m) und im Idealfall einen "RG-Boden". Für den Nachwuchs ist ein Training ohne seine Unterkonstruktion möglich. Die Zentren der Rhythmischen Gymnastik in Niederösterreich befinden sich in Korneuburg und in Wiener Neustadt. In Wiener Neustadt befindet sich auch ein Leistungszentrum für Rhythmische Gymnastik.
Bewertung
Die Wertung für eine Übung setzt sich zusammen aus einer Schwierigkeitsnote (unterteilt in Körperschwierigkeiten und Geräteschwierigkeiten) sowie maximal 10 Punkten für den künstlerischen Wert und maximal 10 Punkten für die Ausführung. Aufgrund der nach oben offenen Schwierigkeitsnote gibt es keine definierte Maximalwertung. Weltklasse-Gymnastinnen in der Eliteklasse erreichen derzeit 29 Punkte und mehr pro Kür.
Als Wertungsrichter:innen werden Personen eingesetzt, die eine schwierige Prüfung nach internationaler Norm bestanden haben und daher ein hohes Maß an Fachkenntnis wie Situationsgewandtheit besitzen.
Seitens Weltturnverband FIG werden die Wertungsvorschriften alle vier Jahre nach den Olympischen Spielen aktualisiert. Mit Jahresbeginn 2025 wurde die Anzahl der Schwierigkeiten mit den höchsten 8 geturnten Körperschwierigkeiten sowie 15 Geräteschwierigkeiten festgelegt. Jede Übung muss außerdem mindestens zwei Sequenzen mit Tanzschritten von mindestens acht Sekunden Länge beinhalten. Die körpertechnischen Schwierigkeiten sind von 0,10 Punkten und höher eingeteilt. Körpertechnische Schwierigkeiten mit einer Abweichung von mehr als 20° von der geforderten Idealform werden nicht bewertet. Alle Details zu den Elementen, Übungen und ihrer Bewertung findet man in den internationalen Wertungsvorschriften der FIG, die auf www.fig-gymnastics.com in der Sektion „Rules“ gratis als Download zur Verfügung stehen.
Die Wettkampffläche besteht aus einem 13x13 Meter großen Teppich auf einem speziell abgefederten Unterbau (letzterer kann bei kleineren Meetings und Nachwuchsbewerben auch weggelassen werden). Die rote Linie begrenzt die Wettkampffläche – bei Übertretungen gibt es Punktabzug. Die Wettkampfhalle muss über dem Teppich mindestens zehn Meter hoch sein, wobei auch keine Verstrebungen tiefer liegen dürfen. Sonst könnten Geräte anschlagen oder hängen bleiben.
Die in der Rhythmischen Gymnastik verwendeten Geräte
Reifen:
Der Reifen besteht aus Kunststoff oder Holz und wiegt mindestens 300 Gramm. Der Innendurchmesser beträgt 80 bis 90 cm. Die spezifischen fundamentalen Technikgruppen sind Rollen am Körper, Rotationen um die Achse des Reifens, die fundamentalen Technikgruppen Passagen durch den Reifen und Rotationen. Der Reifen bietet die größtmögliche Variation an Bewegungsmöglichkeiten.
Ball:
Der Ball besteht aus Gummi oder synthetischem Material und wiegt mindestens 400 Gramm. Der Durchmesser beträgt zwischen 18 und 20 cm. Die spezifischen fundamentalen Technikgruppen sind Rollen am Körper und Prellen, die fundamentalen Technikgruppen sind Fangen mit einer Hand und Achterbewegungen mit großer Bewegungsamplitude. Der Ball ist ein „lyrisches“ und elegantes Handgerät. Er liegt in der Hand der Gymnastin, ohne Abstützen am Handgelenk und ohne „Grapschen“. Die Bewegungen sollen fließend sein.
Keulen:
Die Keulen sind 40 bis 50 cm lang, jede wiegt mindestens 150 Gramm und besteht entweder aus Holz oder Kunststoff. Die spezifischen fundamentalen Technikgruppen sind Mühlhandkreisen und kleine Rotationswürfe beider Keulen, die fundamentalen Technikgruppen sind kleine Kreise beider Keulen und asymmetrische Bewegungen. Die Handhabung der Keulen setzt gute psychomotorische Koordinationsfähigkeit, Rhythmusgefühl und präzises Arbeiten voraus, sie sind das bevorzugte Handgerät für Gymnastinnen mit ausgeprägter beidhändiger Geschicklichkeit.
Band:
Das Band besteht aus ungestärkter Seide oder ähnlichem Material, es ist mindestens 6 Meter lang und 4 bis 6 cm breit. Der Bandstab hat einen Durchmesser von 1 cm und eine Länge von 50 bis 60 cm, ist aus Bambus oder Holz oder Kunststoff oder Fiberglas. Das maximale Gewicht beträgt 35 Gramm. Die spezifischen fundamentalen Technikgruppen sind Schlangen und Spiralen, die fundamentalen Technikgruppen sind Boomerang und Echappé. Die Handhabung des Bandes sollte in weiten, fließenden, konstanten Bewegungen erfolgen.
Seil:
Das Seil besteht aus Hanf oder einem synthetischen Material. Die Länge richtet sich nach der Körpergröße der Gymnastin. Das Seil ist ein sehr dynamisches Handgerät. Gymnastinnen mit guter Explosiv- und Sprungkraft haben hier ihre Stärken. Die fundamentalen Technikgruppen sind Passagen durch das Seil und Echappé. Weil man das Seil auf Bildschirmen schlecht sieht, kommt es nur noch im Juniorinnen-Gruppenbewerb zum Einsatz.
Quelle: Turnsport Austria